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Brief an meinen Tod

Mir wird kalt, obwohl die Temperaturen hoch sind. Du scheinst ums Haus zu schleichen. Warum sagst Du nicht: „Ich bin da, und ich warte noch so und so viel Zeit, um Dich meine Sichel spüren zu lassen.“ Das wäre ehrlich. Aber mal ehrlich, ist Ehrlichkeit wirklich Deine Sache?

Natürlich wird es Möglichkeiten geben, Dir von der Schippe zu springen. Jedenfalls höre ich das von den Ärzten immer wieder. Es ist ihr Job. Doch Deiner ist es, am Ende doch zu gewinnen. Soll ich mich da wirklich wehren oder doch vielleicht lieber selber in den Sonnenuntergang paddeln? Irgendwo da hinter dem Horizont steige ich dann zu Dir um. Wäre das ein Deal? Warten wir es also ab. Kennst Du das vielleicht? Ich war schon einmal an einem solchen Punkt, wo ich Deine Nähe spürte.

( Gerhard Falk, Mittwoch 8. November 2017)

Herbstgefühle

 

Herbstgefühl

 

der Himmel ist grau

es stürmt – die Blätter fliegen

Dein Gesicht vom rauhen Wind

es schmerzt

deine Seele tief berührt

in Gedanken versunken

gehst du den Weg , ohne Ziel

fort, fort vom Kummer und Sorgen

wohin?

Weiß nur der Herbstwind

 

D.Th.Müller (15.11.2017)

 

Insel der Gefühle

 

Vor langer, langer Zeit existierte eine Insel, auf der alle Gefühle der Menschen lebten,
die gute Laune, die Traurigkeit, das Wissen -
und so wie alle anderen Gefühle, auch die Liebe.
Eines Tages wurde den Gefühlen mitgeteilt, dass die Insel sinken würde.
Also bereiteten alle ihre Schiffe vor und verließen die Insel.
Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten.
Bevor die Insel sank, bat die Liebe um Hilfe.
Der Reichtum fuhr auf einem luxuriösen Schiff an der Liebe vorbei.
Sie fragte: "Reichtum, kannst du mich mitnehmen?"
"Nein, ich kann nicht. Auf meinem Schiff habe ich viel Gold und Silber.
Da ist kein Platz für dich."
Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam: " Stolz, ich bitte dich, kannst du mich mitnehmen ?",
"Liebe, ich kann dich nicht mitnehmen..." antwortete der Stolz,
"hier ist alles perfekt. Du könntest mein Schiff beschädigen".
Also fragte die Liebe die Traurigkeit, die an ihr vorbeiging:
"Traurigkeit, bitte, nimm mich mit."
"Oh Liebe," sagte die Traurigkeit, "ich bin so traurig,
dass ich alleine bleiben muß."
Auch die Gute Laune ging an der Liebe vorbei,
aber sie war so zufrieden, dass sie nicht hörte,
dass die Liebe sie rief.
Plötzlich sagte eine Stimme : "Komm Liebe, ich nehme dich mit."
Es war ein Alter, der sprach.
Die Liebe war so dankbar und so glücklich,
dass sie vergaß, den Alten nach seinem Namen zu fragen.
Als sie an Land kamen, ging der Alte fort.
Die Liebe bemerkte, dass sie ihm viel schuldete
und fragte das Wissen:
"Wissen, kannst Du mir sagen, wer mir geholfen hat?"
"Es war die Zeit" antwortete das Wissen.
"Die Zeit ?", fragte die Liebe,
"Warum hat die Zeit mir geholfen ?"
Und das Wissen antwortete:
"Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist."

Autor unbekannt

 

Wenn die Hoffnung Kohldampf schiebt

 

Manchmal bin ich einfach theatralisch 
und manchmal bin ich schlicht im Dialog
Manchmal freu' ich mich ganz animalisch
und manchmal spüre ich den Jenseits-Sog 
Manchmal will ich einfach Unterhaltung
und manchmal ist gerade die zu viel
Manchmal vollzieht sich in mir eine Spaltung
und manchmal sehe ich das Leben nur als Spiel
Manchmal möchte ich die Welt verändern
und manchmal ändert sie ein einziges Wort
Manchmal sehne ich mich nach fernen Ländern
und manchmal rührt mich nichts von einem Ort 
Manchmal möchte ich Zärtlichkeiten tauschen
und manchmal warten Launen einfach nicht
Manchmal will ich mich nur gern berauschen
und manchmal rauscht die Zeit im Gegenlicht
Manchmal will ich alles neu erlernen
und manchmal beutelt mich die Ungeduld
Manchmal scheinen Ämter wie Kasernen
und manchmal trägt ein jeder daran Schuld
Manchmal möchte ich dieser Zeit entfliehen
und manchmal halte ich lethargisch still
Manchmal könnte ich allem mich entziehen
und manchmal weiß ich gar nicht was ich will
Manchmal erreichen mich die schönsten Worte
die manchmal manche Dichter für mich finden
und manchmal finde ich die guten Orte
die manchmal mich ins Zeitgeschehen binden
Nur manchmal fühle ich die Glut der Liebe
die manchmal mir Empfindung gibt
und manchmal wünschte ich, dass es so bliebe
weil manchmal meine Hoffnung Kohldampf schiebt

© Ralfeva Millionär

 

 

(geklaut von facebook am 14.12.2017)

Stille Gedichte II

Seelenvogel 


Tief, tief in uns wohnt die Seele. 
Noch niemand hat sie gesehen, 
aber jeder weiß, dass es sie gibt. 
Und jeder weiß auch, was in ihr ist. 
In der Seele, 
in ihrer Mitte, 
steht ein Vogel 
auf einem Bein. 
Der Seelenvogel. 
Und er fühlt alles, 
was wir fühlen. 
Wenn uns jemand verletzt, 
tobt der Seelenvogel in uns herum; 
hin und her, nach allen Seiten, 
und alles tut ihm weh. 
Wenn uns jemand lieb hat, 
macht der Seelenvogel fröhliche Sprünge, 
kleine, lustige, 
vorwärts und rückwärts, 
hin und her. 
Wenn jemand unseren Namen ruft, 
horcht der Seelenvogel auf die Stimme, 
weil er wissen will, 
ob sie lieb oder böse klingt. 
Wenn jemand böse auf uns ist, 
macht sich der Seelenvogel ganz klein 
und ist still und traurig. 
Und wenn uns jemand in den Arm nimmt, 
wird der Seelenvogel in uns 
größer und größer, 
bis er uns fast ganz ausfüllt. 
So gut geht es ihm dann. 
Ganz tief in uns ist die Seele. 
Noch niemand hat sie gesehen, 
aber jeder weiß, dass es sie gibt. 
Und noch nie, 
noch kein einziges Mal, wurde 
ein Mensch ohne Seele geboren. 
Denn die Seele schlüpft in uns, 
wenn wir geboren werden, 
und sie verlässt uns nie, 
keine Sekunde, 
solange wir leben. 
So, wie wir auch nicht aufhören zu atmen, 
von unserer Geburt bis zu unserem Tod. 
Sicher wollt ihr auch wissen, 
woraus der Seelenvogel besteht. 
Das ist ganz einfach. 
Er besteht aus Schubladen. 
Diese Schubladen können wir 
nicht einfach aufmachen, 
denn jede einzelne ist abgeschlossen 
und hat ihren eigenen Schlüssel. 
Und der Seelenvogel ist der einzige, 
der die Schubladen öffnen kann. 
Wie? 
Auch das ist ganz einfach: 
Mit seinem Fuß. 
Der Seelenvogel steht auf einem Bein. 
Das zweite hat er, wenn er ruhig ist, 
an den Bauch gezogen. 
Mit dem Fuß dreht er den Schlüssel 
zu der Schublade um, 
die er öffnen will, 
zieht am Griff, 
und alles, was darin ist, 
kommt zum Vorschein. 
Und weil alles, was wir fühlen, 
eine Schublade hat, 
hat der Seelenvogel viele Schubladen. 
Es gibt eine Schublade für Freude 
und eine für Trauer. 
Es gibt eine Schublade für Eifersucht 
und eine für Hoffnung. 
Es gibt eine Schublade für Enttäuschung 
und eine für Verzweiflung. 
Es gibt eine Schublade für Geduld 
und eine für Ungeduld. 
Auch für Hass und Wut und Versöhnung, 
Eine Schublade für Faulheit und Leere, 
und eine Schublade für die 
geheimsten Geheimnisse. 
Diese Schublade wird fast nie geöffnet. 
Es gibt auch noch andere Schubladen. 
Ihr könnt selbst wählen, was drin sein soll. 
Manchmal sind wir eifersüchtig,
ohne dass wir es wollen. 
Und manchmal machen wir etwas kaputt, 
wenn wir eigentlich helfen wollen. 
Der Seelenvogel gehorcht uns nicht immer 
und bringt uns manchmal 
in Schwierigkeiten... 
Man kann schon verstehen, 
dass die Menschen verschieden sind, 
weil sie verschiedene Seelenvögel haben. 
Es gibt Vögel, 
die jeden Morgen die Schublade 
"Freude" aufmachen. 
Dann sind die Menschen froh. 
Wenn der Vogel 
die Schublade "Wut" aufmacht, 
ist der Mensch wütend. 
Und wenn der Vogel 
die Schublade nicht mehr zuschließt, 
hört der Mensch nicht auf, wütend zu sein. 
Manchmal geht es dem Vogel nicht gut. 
Dann macht er böse Schubladen auf. 
Geht es dem Vogel gut, 
macht er Schubladen auf, die uns gut tun. 
Manche Leute hören den Seelenvogel oft, 
manche hören ihn selten. 
Und manche hören ihn 
nur einmal in ihrem Leben. 
Deshalb ist es gut, wenn wir 
auf den Seelenvogel horchen, 
der tief, tief in uns ist. 
Vielleicht spät abends, 
wenn alles still ist. 

(Verfasser unbekannt)

Horizonte

Ich schau aufs Meer ins weite Rundund fühl mich ganz verlassen.Sie steht vor mir die letzte Stund,ich spür’ sie nach mir fassen.Lebensblumen blühten lange schon,Herbstblätter sind verweht.Zum fernen Horizont sind sie davonwo nichts mehr weiter geht?Die Möwe im Wind, sie schaut nach mir,hat mich wohl längst erkannt.Sie ruft mir zu: „Ich bleib’ bei dir!“führt mich nun fort vom Land.Ich schau aufs Meer ins weite Rundund höre die Wellen rauschen.Will ihrem Lied zur letzten Stund’noch eine Weile lauschen.

Nur warten und aufs Meer schauen, ist natürlich auch nicht mein Ding. Dann nutze ich Deine Nähe doch lieber dazu, mal nachzuschauen, was Du so alles treibst auf dieser Welt. Ja, Du bekommst sie alle. Aber auf welchem Weg denn?

Muss das wirklich sein, dass sich die Menschen gegenseitig die Köpfe einschlagen, nur um für Dich die Arbeit zu tun? Wie hast Du das geschafft? Liegst faul in der Ecke und schaust Dir das Treiben vergnüglich an. Das ist unsozial! Ja, ja ich kenne Deine Meinung: Niemand sei so sozial wie Du, denn alle holst Du – ohne Ausnahme. Aber da machst Du es Dir zu einfach. Der Weg muss sozial sein, nicht das Ende!

Wie konntest Du es erreichen, dass eine ganze Industrie weltweit Deine Sense schärft? Sie rüsten und rüsten und wetzen und wetzen als trieben sie mit Entsetzen Scherz. Sie machen sich die Säcke voll und treiben die Regierungen vor sich her, damit sie den Weg frei machen für ihre Machenschaften. Ist das wirklich Dein Wille, lieber Tod?

Vielleicht aber bist Du doch unschuldig. Möglicherweise treibt die Menschen anderes an, als Dir die Arbeit wegzunehmen. Vielleicht ist es ihre Gier nach Macht, um sich vergessen zu machen, dass Du sie eigentlich besitzt: die Macht über den Tod.

Doch bevor Du, lieber Tod, bei mir Einzug hältst will ich doch meinen Weg selbst gestalten und an eine himmlische Gerechtigkeit glauben, die weiter geht als Dein Reich. Die mich in ein Universum jenseits aller Fantasie und allen Glaubens aufnimmt und vielleicht ein wenig darauf schaut, was meinen Weg ausmachte und wo ich auf Macht verzichtete, um die Menschen zu lieben.

So, mein Lieber, nun kaue mal daran und bedenke, dass wir Beide einen Zeitpunkt finden, der passt.

Mit stillem Gruße