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Hommage an Johanna Quandt

Am 03. August 2015 hat mit Frau Johanna Quandt Deutschland ein großes Stück von seinem Rückgrat verloren.

Am 05. August habe ich über die Medien vom Tod erfahren und war sehr traurig darüber, denn unvergessen bleiben ihre unkomplizierte Art, ihre Bescheidenheit und ihre Menschlichkeit , nachdem ich das große Glück hatte diese Dame 2004 persönlich kennen zulernen und schätzen zu lernen. Das werden für mich immer unvergessliche Moment bleiben

Daniel-Thomas Müller

Es war 2004 im Spätherbst, als es schon recht kühl war. Nachdem ich im September von Aachen fort ging nach Frankfurt, lebte ich ja erst einmal unter der Brücke am Main. Duschen konnte ich mich jeden Tag in einer Obdachloseneinrichtung ( Weißfrauenkirche ) Ecke Weserstraße Nr. 5 diese Notunterkunft gehörte auch zur Diakonie die der Weißfrauenkirche zugehörig ist.

Da ich nicht aus dem Bundesland Hessen kam, war es mir nicht möglich eine Notunterkunft in der Weserstraße zu bekommen. Jedoch tägliches Duschen, Essen und Klamottenwechsel war kein Problem, was ich auch gerne angenommen habe.

An einem Tag sagte der Mitarbeiter aus der Weserstraße, dass eine ältere Dame aus Bad Homburg kommt und mit ein paar Männer Bekleidung kaufen geht, ich solle mich bereit halten. Natürlich fragte ich, wer das ist, denn irgendwie war es ein Glücksgefühl, aber irgendwie habe ich mich auch geschämt. Aber ich fuhr mit auf die Zeil mit ihr und ein paar anderen Männern.

Was ich dann erleben durfte, war einfach unbeschreiblich und ich kann mich an den Tag heute noch ganz genau erinnern. Wir bekamen einen Betrag gesagt, wofür wir uns Bekleidung kaufen durften und sie bezahlte für uns. Die Einkäufe waren auf der Zeil im Karstadt und dem damals noch ansässigen Woolworth. Frau Quandt interessierte sich dort für ein paar Schuhe wo jeder ihr behilflich sein wollte beim anprobieren und gut gemeinte Tips verteilen die sie lächeln dankbar diskret in kauf nahm.

Nach dem Einkauf lud sie uns mit unseren prall gefüllten Tüten noch ein auf die Zeil in einen Bistro, wo wir alle zusammen einen kleinen Imbiss zu uns nahmen.

Beim Essen fragte sie sehr interessiert nach den Vergangenheiten, warum und wieso und wo die Schwierigkeiten lagen. Es waren Gespräche auf Augenhöhe wo man in keinster Weise bemerkte wen man eigentlich da gegenüber zur Unterhaltung hat.

Eine Dame mit ihrer gesellschaftlichen Stellung ohne Berührungsängste kann nur ein Mensch sein, der mitten im Leben steht und das Leben auch von der härteren Seite kennengelernt hat.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern im Gespräch mit ihr fragte ich Sie, warum sie sich nun gerade mit uns Menschen die doch in besonderen sozialen Situationen sind trifft um Gutes zu tun. Ihre Antwort war klar und deutlich, auch wenn es mit gut geht, so habe ich auch meine Verantwortung für die Menschen denen es nicht so gut geht. Beim verabschieden sagte sie zu mir: "sie sind ein so starker Mensch und sie werden diese Situation meistern" Sie hatte recht, ich habe die Situation gemeistert. Musste sehr oft an ihre Worte denken, die mir immer wieder Mut gemacht haben.

Manchmal war ich schon ein bisschen traurig, dass ich ihr nie erklären konnte wie recht sie hatte, wie sehr ich mit ihre Worte zu Herzen genommen habe.

Sie war ein Mensch der den Hintergrund liebt, Hintergrund in diesem Sinne, dass sie gutes tut weil sie es tun möchte aber dafür keine Öffentlichkeit braucht, kein Rampenlicht was behelligt wie sozial und menschlich sie ist. Dieser Charakter ist ein wahrlich starker Charakter den es leider viel zu selten in der wohlhabenden Gesellschaft gibt.

Später habe ich sehr viel über Johanna Quandt gelesen, mit ihrer Biografie mich beschäftigt, ich habe diese Dame als Mensch sehr lieb gewonnen und je mehr ich über sie gelesen habe umso größer wurde mein Respekt vor ihr.

Eine wahre Größe an Menschlichkeit die nicht zu überbieten ist.

Johanna Quandt wird immer in den Herzen bleiben, auch in meinem Herz ist ein Platz reserviert.

Johanna Quandt, Sie waren eine solch große Stütze für Deutschland, einfach ein Stück aus Deutschlands Rückgrat wenn ich das mit meinem laienhaften "Schreiberlingwissen" so

ausdrücken darf.Aber so wie ich Sie erlebt habe, wissen Sie schon und schätzen das auch, denn diese Worte kommen aus meinem tiefsten Inneren.

So still und leise wie Sie damals zur Weserstraße kamen und dann auch wieder still und leise verschwanden, so still und leise verschwinde ich jetzt mit einem leisen "Tschüss", man sieht sich vielleicht ja mal wieder....wer weiß.

Ein Sie sehr schätzender Mensch

Daniel-Thomas Müller

2007: kam ich dann in den Genuss, dass Frau Quandt mir angeboten hat, für einen Teil meines Klientels noch aus der Obdachlosenarbeit und einen Teil meiner Senioren mit zu unterstützen, Sie ging mit einkaufen es lag ihr immer am Herzen, dass auch sozialschwache Menschen den notwendigen Repekt gezollt bekommen. Für meine Senioren war das dann immer etwas ganz besonderes, so gab es neue Wäsche auch mal eine Hose oder Weste oder Jogginganzug und etwas was gut duftet, sei es ein Deo, Parfum oder auch Rasierwasser - mal ein kleiner Ausflug in die Stadt und immer etwas an frischem Obst, das war ihr sehr wichtig.

Ich bin Frau Quandt heute noch dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte in einer Zeit in der es mir nicht gut ging und dann wieder in einer Zeit als ich mit den Füßen wieder auf dem Boden stand und meinen Weg gemacht hatte. Frau Quandt war ein ser bodenständiger Mensch, ein Mensch aus der Mitte die sich sehr gerne unter das Fußvolk mischte. Sie wollte nicht ständig irgendwo auf Plakaten in eine Menge lächeln, einfach ein wunderbarer Mensch den schätzen lernen durfte. Dafür bin ich sehr dankbar.

Daniel-Thomas Müller